- Design for all
- Design für Alle ist das entscheidende Konzept für eine nutzerfreundliche, nachhaltige und ökonomisch sinnvolle Gestaltung aller Lebensbereiche!
Von Barrierefreiheit zum Design für Alle
 Unter dem Titel "Von Barrierefreiheit zum Design für Alle - Erfahrungen aus Forschung und Praxis" ist Ende 2007 Band 38 der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie erschienen, der gemeinsam mit dem Europäischen Instituts Design für Alle in Deutschland e.V. (EDAD) entstanden ist.
Auf rund 190 Seiten gibt dieser Band die Erfahrungen aus Forschung und Praxis hinsichtlich der Weiterentwicklung des Konzepts der Barrierefreiheit zu einem Design für Alle seit dem Jahr 2003 wider.
Barrierefreies Gestalten ist immer umfassend gemeint und als eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu verstehen, die eine Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen zum Ziel hat. So spricht Barrierefreiheit nicht nur die Herstellung der baulichen, verkehrlichen und organisatorischen Zugänglichkeit von öffentlichen wie privaten Räumen und Dienstleistungen an, sondern schließt auch den Abbau von Barrieren in den Bereichen Information und Kommunikation ein.
Das Konzept des Designs für Alle stellt eine Weiterentwicklung des Prinzips
der Barrierefreiheit dar. Während sich Barrierefreiheit vor allem auf
gestaltete 'Endprodukte' bezieht, setzt das Prinzip des Designs für Alle ganz bewusst auf die Analyse des Bedarfs und der Wünsche der Menschen. Design für Alle verlangt die Einbindung der Endverbraucher in jeder Phase des Entstehungsprozesses und ist damit ein entscheidender Schritt zu einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung, der die Lebensqualität verbessert und eine nutzerfreundliche und kosteneffektive Gestaltung ermöglicht. In diesem Zusammenhang erhält der Ansatz Design für Alle eine Schlüsselrolle in der raumbezogenen Forschung und Planungspraxis.
"Design für Alle ist nicht nur eine Philosophie, sondern umschreibt auch einen Gestaltungsprozess, der darauf abzielt, eine barrierefreie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für möglichst alle Menschen zu erreichen. Das bedeutet, dass die gebaute Umwelt, Produkte und Dienstleistungen so gestaltet sein sollen, dass sie sicher, gesund, funktional, leicht verständlich und ästhetisch sowohl anspruchsvoll als auch nachhaltig sind und daher die menschliche Vielfalt berücksichtigen und sich nicht diskriminierend auswirken."
Die Beiträge in diesem Band
Der vorliegende Band ist mit seinen insgesamt 18 Beiträgen in vier thematische
Abschnitte gegliedert.
Design für Alle - Zielsetzungen und Grundlagen
Zum Einstieg in das Thema "Design für Alle - Zielsetzungen und Grundlagen" bietet
der Artikel der Herausgeber dieses Bandes RÜDIGER LEIDNER, PETER NEUMANN u.
MARKUS REBSTOCK einen Überblick über die Entstehung des Design für Alle sowie aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten in diesem Bereich.
Im nachfolgenden Artikel bietet ELIZABETH STRAW als Vertreterin der EU-Kommission
eine Zusammenfassung, wie das Thema Design für Alle derzeit in den Handlungsebenen
der europäischen Union gefördert wird. Neben grundsätzlichen Herangehensweisen
und EU-Direktiven beschreibt sie vor allem die Inhalte und Ziele konkreter
Pilot Projekte der EU-Kommission, wie z.B. das Build for All Projekt und das
European Network of Accessible Tourism ENAT (www.accessibletourism.org).
Design für Alle in der kommunalen Planung
Der zweite Themenbereich dieses Sammelbandes beschäftigt sich mit Design für
Alle in der kommunalen Planung. GEESKEN WÖRMANN umschreibt einführend in ihrem
Beitrag die Sicht der deutschen Behindertenverbände. Sie betont die Schlüsselfunktion
des Design für Alle in der kommunalen Planung, hebt allerdings auch hervor,
dass von einem Richtungswechsel in Hinsicht auf dieses Konzept in der alltäglichen
Wirklichkeit des politischen Handelns sehr wenig spürbar ist. Um Fehlentwicklungen
in kommunalen Planungsprozessen zu vermeiden, unterstreicht sie die Bedeutung
der Mitwirkung von Behindertenverbänden in allen relevanten Umsetzungsphasen
von kommunalen Planungen.
MICHAEL KOBS u. HINNERK WILLENBRINK stellen in ihrem Artikel das EU-Projekt "Build
for All" vor, das die Umsetzungsmöglichkeiten von Design für Alle durch das öffentliche
Vergaberecht aufzeigt. Durch neue EU-Richtlinien wurden Möglichkeiten geschaffen,
Kriterien in das öffentliche Vergaberecht zu integrieren, die die Schaffung
einer barrierefreien Umwelt fördern.
Der anschließende Beitrag von MARTIN KRÄMER über vergaberechtliche Probleme bei
der Berücksichtigung von Prinzipien des Design für Alle macht deutlich, welchen
Raum für Missverständnisse es gibt, wenn Design für Alle ausschließlich als Element
von Sozial- bzw. Behindertenpolitik angesehen wird. In seiner Bedeutung für die
Praxis bei der Umsetzung von Design-für-Alle-Prinzipien ist der Hinweis von KRÄMER
nicht zu unterschätzen, dass auch heute schon - ohne eine Reform des Vergaberechts
- Prinzipien des Design für Alle bei öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt
werden können, indem sie als Leistungsmerkmal in den Anforderungskatalog
einer Ausschreibung aufgenommen werden. Dies ist auch nach einer Reform des
Vergaberechts unabdingbar, damit (noch zu konkretisierende) Design-für-Alle-
Kriterien bei der Bewertung von Angeboten berücksichtigt werden können und bei
evtl. späteren Auseinandersetzungen über die Vertragserfüllung justiziabel sind. (In
der Zwischenzeit hat auch die EU-Kommission die Notwendigkeit einer Konkretisierung
des Begriffs Design für Alle erkannt und erste Schritte dazu unternommen.)
Die Besonderheiten von Städten und Gemeinden als Erlebnisraum für Alle stellt
CARSTEN HANSEN in seinem Artikel vor. Im Zusammenhang mit touristischen Angeboten
für alle Menschen sind besonders auch die Städte und Gemeinden gefragt,
geeignete Angebote in Hotellerie und Gastronomie, in der Freizeitwirtschaft und im
Mobilitätsangebot vorzuhalten. Städte und Gemeinden müssen sich bereits heute
damit beschäftigen, wie sich die touristischen Angebote mit der Planung des öffentlichen
Raumes, mit der Informationsphilosophie sowie mit der Architektur von einzelnen
Gebäuden in Einklang bringen lassen.
Das Thema "Verkehrsraumgestaltung für Alle" wird von MARKUS REBSTOCK am
Beispiel des Fußgängerverkehrs beleuchtet. Neben den Anforderungen an barrierefreie
Gehwege im Allgemeinen werden insbesondere die Gestaltung barrierefreier
Fahrbahnquerungen sowie die Notwendigkeit einer visuell kontrastreichen Verkehrsraumgestaltung
vertiefend behandelt. Hierbei wird deutlich, dass die Fußwegegestaltung
im Sinne des Design für Alle allen Menschen zugute kommt.
Die barrierefreie Umweltgestaltung vor allem aus der Sicht von seh- und hörbehinderten
Menschen steht im Mittelpunkt des Beitrags von HELMUT GROSSMANN. Insbesondere in Bezug auf die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Mobilitätsraumes bestehen
noch erhebliche Barrieren für sinnesbeeinträchtigte Menschen.
Gute Beispiele in den Städten und Gemeinden zeigen, dass die Zielvorgabe der
"barrierefreien Umweltgestaltung für Alle" keine unerreichbare Utopie darstellt.
Auch praxisbezogene Empfehlungen zur Herstellung der möglichst weitreichenden
Barrierefreiheit für seh- und hörbehinderte Menschen im öffentlichen Raum werden
vom Autor vorgestellt.
Weitere praxisnahe Anwendungsbeispiele aus der barrierefreien Verkehrsraumgestaltung
in der Stadt Münster liefert NORBERT RUDOLF mit seinem Beitrag. Dabei stellt
er heraus, dass der ganzheitliche Ansatz der Mobilität in der Planung und der Bau
barrierefreier Verkehrsräume mehr als eine gesetzliche Pflicht sein muss.
Der Beitrag von CHRISTA OSBELT zeigt die Geschichte der barrierefreien Wohnraumgestaltung
für Alle mit ihren Entwicklungen bis heute auf. Besonders im Hinblick auf
die demographischen Veränderungen der Gesellschaft Europas stellt sie mit ihrem
Beitrag die Frage, ob sich Kommunen, Wohnungswirtschaft, Sozial- und Dienstleistungseinrichtungen
bereits auf die sich verändernden Nutzungsansprüche eingestellt
haben. Dazu zieht sie einen zeitlichen Rahmen von Mitte der 1980er Jahre bis
in die heutige Zeit und resümiert: "barrierefrei für alle Menschen ist nicht mehr
aufzuhalten!".
Design für Alle - Städte und Gemeinden auf dem richtigen Weg
Im dritten thematischen Abschnitt stehen ausgewählte Städte und Gemeinden aus
Europa im Mittelpunkt, die sich durch den strategischen Einsatz des Konzepts
Design für Alle bereits ausgezeichnet haben und sich somit auf einem guten Weg zu
"Städten und Gemeinden für Alle" befinden.
Der Beitrag von FRANCESC ARAGALL schildert, wie sich Barcelona durch den Einsatz
von Design für Alle zu einer vorbildhaften "Stadt für Alle" entwickelt. Nicht zuletzt
durch die bekannte "Erklärung von Barcelona", die 1995 in der katalanischen
Hauptstadt verabschiedet wurde, gilt diese Stadt als Europäisches Vorbild. Die
Stadt begann frühzeitig den "Design-für-Alle"-Ansatz in neuen städtebaulichen und
infrastrukturellen Projekten umzusetzen. Auch Fortbildungsprojekte und Maßnahmen
zur Bewusstseinsschärfung von Architekten spielten hierbei eine entscheidende
Rolle.
Auch die Stadt Münster befindet sich durch zahlreiche nachahmenswerte Beispiele
auf dem Weg zu einer "Stadt für Alle", wie DORIS RÜTER in ihrem Artikel aufzeigt.
Dabei trägt vor allem auch das Verantwortungsbewusstsein der Stadt für eine umfassende
Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bei. Besonders die frühzeitige
und umfassende Beteiligung von behinderten Menschen an allen entscheidenden
Planungsprozessen ist in Münster vorbildhaft und hat im Bereich der barrierefreien
Stadtgestaltung schon viele Verbesserungen auf den Weg gebracht.
Die Gemeinde Illingen im Saarland beschreitet einen mehr konzeptionellen Weg hin
zu einer barrierefreien Gemeinde für Alle, den ARMIN KÖNIG in seinem Beitrag vorstellt.
Er beschreibt das Programm, das nach einem Grundsatzbeschluss des Rates
und durch eine externe Projektsteuerung erstellt wurde, und die Erfahrungen die
dabei gemacht wurden. Besonders eine motivierte Kommunalpolitik und eine engagierte Beteiligung von behinderten Bürgern sind bei der Umsetzung entscheidend.
Auch Lernprozesse und Probleme werden in diesem Beitrag beleuchtet.
Der Artikel von SILVIO SAGRAMOLA zeigt am Beispiel der Stadt Esch-sur-Alzette in
Luxemburg auf, wie eine aktive Mitgestaltung von behinderten Bürgern und Bürgerinnen
in kommunalen Planungen integriert werden kann. Der Einsatz des ersten
"Zugänglichkeitsplanes" in Luxemburg stellt dabei europaweit eine Besonderheit
dar.
Design für Alle in der Produktgestaltung
Das abschließende Kapitel des vorliegenden Bandes beschäftigt sich mit dem
Thema "Design für Alle in der Produktgestaltung".
JAN LEMBACH, ALEXANDER SOBOTTA u. MALTE WETZEL stellen in ihrem Artikel barrierefreie
Naturerlebnisse und Naturbildungsangebote im Naturpark Nordeifel vor. Ausgehend
von einer strategischen Herangehensweise konnten nachhaltige Impulse für die
ländliche Entwicklung in der Eifel ausgelöst werden. Dabei spielt das Gesamtkonzept
"Eifel barrierefrei" eine herausragende Rolle. Daneben sind die Bündelung
zielgruppenspezifischer Informationen, die Durchführung von Modellprojekten, der
Angebotsentwicklung und eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit besonders wichtige
Bestandteile.
Der Beitrag von GISELA HOLTZ stellt am Beispiel eines Reiseführers in leichter Sprache
ein Produkt vor, das Informationen über das Reiseziel Münster für eine möglichst
große Zielgruppe zugänglich macht. Informationen sind meist nur für diejenigen
zugänglich, die gut sehen, lesen oder die einheimische Sprache gut verstehen
können. Die Gestaltung in leichter Sprache in Wort, Schrift und Ton und mit vielen
Bildern macht das Buch "Münster - ein Reiseführer in leichter Sprache" für viele
Gäste hilfreich und nutzbar. Dieses Angebot wird ergänzt durch Gästeführungen mit
leichter Sprache und tastbaren Bildern und Gegenständen, die für alle interessant
gestaltet sind.
Die bisherigen Beiträge in diesem Band haben sich mit der Herstellung von Barrierefreiheit
bzw. der Umsetzung des Prinzips Design für Alle in verschiedenen Bereichen
von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung befasst. Solange allerdings nicht
die gesamte Umgebung für sie barrierefrei ist, wird die Notwendigkeit bestehen
bleiben, zu (barrierefreien) Objekten auch barrierefreie Routen zu planen. Denn
wirklich barrierefrei ist ein Gebäude nur, wenn es auch barrierefrei erreichbar ist.
Hinzu kommt, dass insbesondere für sehbehinderte und blinde Menschen die Erreichbarkeit
bzw. Auffindbarkeit ihrer Ziele die eigentliche Barriere darstellt. Der
Beitrag von STEFAN LUTHERDT u. HARTMUT WITTE über das "Touristische Assistenzsystem
für Urlaub, Freizeit- und Bildungsaktivitäten - TAS" beschreibt einen Ansatz zur
Lösung dieser Probleme. Die Entwicklung des Produkts selbst ist hierbei ein gutes
Beispiel, wie das Prinzip des Designs für Alle bei der Entwicklung von Gebrauchsgegenständen
umgesetzt werden kann.
CONSTANZE UNGER stellt abschließend in ihrem Beitrag Konzepte und Produkte aus
dem Handwerk vor. Sie zeigt auf, dass Design für Alle und gestalterische Vielfalt
keinen Widerspruch darstellen. Anhand von zahlreichen Beispielen aus dem Handwerk
und von Projektergebnissen der "Akademie Gestaltung Münster" wird die Frage
beleuchtet, wie entgegen und ergänzend zu den meist funktional und technisch orientierten "Universal-Design"-Produkten, Anforderungen an ästhetische Wahrnehmung,
Produktkultur und an den tatsächlichen Gebrauch Anwendung finden
können.
Die Publikation ist zum Preis von 15 EURO (plus Umsatzsteuer und Versand) bei der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie der Uni Münster über das Kontaktformular zu bestellen. |