Wohnen mit Erlebnischarakter Begrünte glasüberdachte Laubengänge nach der Sanierung der Wohnblöcke.
Schillerstraße in Bremerhaven Ansicht Nordseite vor der Sanierung
Intelligente Sanierung eines 50er-Jahre Wohnensembles
Nach dem Zweiten Weltkrieg halfen sie die Wohnungsnot zu lindern, mehr als 50 Jahre später sind die Schlichtbauten ihren Eigentümern zur Last geworden: Unattraktive Fassaden und hohe Energiekosten vertreiben die Mieter. Der Abriss scheint die einzige Lösung zu sein. Doch es gibt Wege, die Bauten der zweiten deutschen Gründerzeit zu erhalten. Beispielhaft dafür ist die Sanierung der Wohngebäude Schillerstraße 131, 133 und 135 in Bremerhaven. Die drei in den 50er Jahren von der Städtischen Wohnungsgesellschaft (StäWoG) errichteten Gebäude wurden unter Leitung ihres Architekten Hans-Joachim Ewert zwischen 2005 und 2007 energetisch saniert, im Grundriss optimiert und, soweit von den Kosten her vertretbar, barrierefrei umgebaut. Für das bis ins Detail durchdachte, gleichwohl kostengünstige Umbaukonzept wurde die StäWoG 2008 mit einer Anerkennung des Bremer Bauherrenpreises ausgezeichnet – eine Auszeichnung auch für die KONE GmbH, die die hohen gestalterischen Ansprüche des Bauherren erfolgreich umsetzte.
Herr Ewert, wo liegt die städtebauliche Bedeutung des Projekts?
Ewert: Die von der StäWoG nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Wohnbauten, zu denen auch die Häuser Schillerstraße zählen, prägen Bremerhaven. Attraktive Lösungen für die Sanierung dieser Gebäude zu finden liegt also im Interesse der Stadt.
Aber eine Sanierung muss sich betriebswirtschaftlich rechnen.
Ewert: Sie darf zumindest kein Verlustgeschäft werden und sie ist es auch nicht geworden. Im Gegenteil: Wir könnten jede Wohnung doppelt vermieten. Wir haben alles durchgerechnet und nach preiswerten Lösungen gesucht. Ein Beispiel ist das Erschließungssystem: Jedes der drei Gebäude besaß drei Treppenhäuser. Um die Wohnungen zu vergrößern, haben wir den jeweils mittleren Aufgang geschlossen und die zwei verbliebenen Treppenhäuser durch vorgestellte verglaste Laubengänge miteinander verbunden. Damit lassen sich über einen einzigen Aufzug alle 16 Wohnungen eines Gebäudeblocks erreichen – eine kostengünstige Lösung im Bau wie im Betrieb. Die Laubengänge und der Aufzug im Glasturm verleihen den Bauten zudem ihre architektonische Qualität. Man muss nur auf die rahmenlose Konstruktion der Glastürme schauen. KONE hat auf unseren Wunsch hin auf Metallprofile an den Turmecken verzichtet, so dass die Glasplatten direkt aufeinander stoßen. Entsprechend transparent wirkt die Konstruktion. Mein Fazit: Kostengünstiges und qualitätvolles Bauen schließen einander nicht aus.
Hat sich die Mieterstruktur verändert?
Ewert: Die Wohnungen sprechen jetzt eine andere Klientel an: Alleinstehende und Paare aus der Mittelschicht von 50 Jahren an aufwärts. Diese Menschen haben keine Kinder oder der Nachwuchs ist aus dem Haus. Sie wollen zurück in das vitale Umfeld eines gewachsenen Quartiers und die soziale und kulturelle Infrastruktur der Stadt nutzen. Die Häuser in der Schillerstraße bieten nun eine attraktive, "kommunikative" Architektur.
Sie spielen auf das Erschließungssystem an?
Ewert: Der schmale hohe Raum zwischen den Laubengängen und der Hauswand ist mit Glas überdacht worden. So ist eine Art Wintergarten entstanden, ein halböffentlicher Raum für Kommunikation und soziales Miteinander. Hinzu kommt der Weg über die Laubengänge und die Fahrt mit dem teilweise verglasten Aufzug. Das alles wird von den Bewohnern als Erlebnis erfahren.
|