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Nachhaltiges Bauen

 

Heute Planen und Bauen für Morgen - Nachhaltigkeitsbetrachtungen für Wohngebäude

Vortrag auf der Weiterbildungsveranstaltung "ZIELPUNKT barrierefrei planen und bauen" auf der bautec2008 in Berlin am 22.Februar 2008 von Dipl.-Ing. Andreas Rietz


Dimensionen der Nachhaltigkeit

Dipl.-Ing. Andreas Rietz auf der bautec2008 in Berlin am 22.02.2008
Dipl.-Ing. Andreas Rietz auf der bautec2008 in Berlin am 22.02.2008

Durch die Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" des Deutschen Bundestages wurde für Deutschland das Leitbild einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung erarbeitet. Das Handlungsprinzip dieses Leitbildes ist es, durch eine nachhaltige Entwicklung die Bedürfnisse der jetzigen Generation zu erfüllen, ohne die Möglichkeiten späterer Generationen einzuschränken. Hieraus ergeben sich vielfältige ökologische, ökonomische und soziokulturelle Anforderungen.

Nachhaltiges Bauen

Ökologische Nachhaltigkeit:Schutz des Ökosystems
Schutz der Ressourcen
Ökonomische Nachhaltigkeit:Geringere Kosten
Erhaltung von Kapital
Soziale und kulturelle Nachhaltigkeit:Gesundheit und Behaglichkeit
Ästhetik und Gestaltung

Kaum ein anderer Bereich macht die Wechselbeziehungen zwischen den 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit so deutlich wie der Bereich des Bauens und Wohnens.


Gesundheit und Behaglichkeit
Gesundheit und Behaglichkeit

Im Hinblick auf die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit sind die Bereiche Gesundheit und Behaglichkeit sowie die Anforderungen an die Barrierefreiheit zu nennen. Diese sind bei der Grundrissgestaltung zu beachten.

Grundrissgestaltung:

  • Baukörperausrichtung
  • Tageslichtnutzung für Wohnflächen
  • Funktionale Anordnung der Bereiche
  • flexible Nutzung der Räume
  • Barrierefreiheit

Werden diese Planungsgrundsätze mit den Anforderungen des barrierefreien Bauens verbunden, dann ist es möglich, Wohnungen den differenzierten Bedürfnissen der Bewohner bauseitig sehr schnell und mit geringem Kostenaufwand anzupassen. Menschen können unabhängig und selbständig, auch bei zunehmenden Mobilitätseinschränkungen, in diesen Wohnungen leben.


Barrierefreiheit - eine Dimension der Nachhaltigkeit

Immer mehr Menschen werden immer älter. Bessere Lebensbedingungen und Fortschritte in der Medizin führen zu einer weiter steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung. In der Bundesrepublik Deutschland wird insbesondere ein Anstieg des Anteils der über 60-Jährigen von derzeit rund 22% auf ca. 37% im Jahre 2050 erwartet. Der Anteil der Menschen über 80 Jahre wird dann auf 12% anwachsen. Nur ca. 5% aller Menschen über 65 Jahre leben in Alten-, Senioren- oder Pflegeheimen. 95% dagegen wohnen im "normalen Wohnungsbestand". Für fast alle Menschen wird die Wohnung und das nähere Wohnumfeld mit zunehmendem Alter zum zentralen Lebensmittelpunkt.

Wichtig ist, dass dann die Wohnungen für ein Leben mit Mobilitätseinschränkungen gestaltet sind. Das barrierefreie Bauen wird also künftig beim Neubau von Wohnungen eine immer größere Rolle spielen. Es ist die Grundvoraussetzung, um die Unabhängigkeit und Selbständigkeit in den eigenen 4 Wänden bis ins hohe Alter zu sichern.

Die Normen zum Barrierefreien Bauen wurden in zahlreichen Veröffentlichungen kommentiert, und es existiert ein weitgehender Konsens, welche Hauptanforderungen des barrierefreien Bauens realisiert werden müssen:

  • Schaffung von barrierefreien Wegen und barrierefreien Zugängen zu Gebäuden und Räumen
  • Schaffung von ausreichenden Bewegungsflächen außerhalb und innerhalb von Gebäuden
  • Anordnung von Bedienungseinrichtungen im Greifbereich von Menschen
  • Schaffung von übersichtlichen Orientierungshinweisen unter Berücksichtigung von sensorischen Anforderungen.

Fazit aus den Nachhaltungsbetrachtungen

Barrierefreiheit

  • als Schutzziel der sozialen und kulturellen Nachhaltigkeit
  • als Qualitätsgewinn für alle Nutzerinnen und Nutzer
  • als langfristig wertsteigernder Faktor bei Vermietung oder Verkauf von Wohnungen

Beispiel Bürogebäude
Zertifikat Beispiel Bürogebäude

Forderung nach einem Nachhaltungszertifikat für Gebäude, in dem auch die Anforderungen des Barrierefreien Bauens enthalten sein müssen.

mehr zu diesem Thema...

Autorinfo

 zukunftsbewusst energiesparend generationenegerecht nachhaltigkeit barrierefreies bauen behaglichkeit gesundheit Ökologie grundrissgestaltung Logo

Dipl.-Ing. Andreas Rietz

10587 Berlin

Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e.V.
Abt. Nachhaltiges Bauen, Baukonstruktion, Baustoffwesen
- Kompetenzzentrum "Kostengünstig qualitätsbewusst Bauen" -

Zusatzinfo

Die Forderungen des barrierefreien Bauens sind in folgenden Normen enthalten:

  • DIN 18025 Teil 1 und 2 "Barrierefreie Wohnungen" (1992)
    (Teil 1: Planungsgrundlagen, Wohnungen für Rollstuhlbenutzer, Teil 2: Planungsgrundlagen).
  • DIN 18024 Teil 1 und 2 "Barrierefreies Bauen" (1998 bzw. 1996)
    (Teil 1: Straßen, Plätze, Wege, Öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze, Teil 2: Öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten)

Leitfaden Nachhaltiges Bauen

Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen -BMVBW-, Berlin (Herausgeber)

Für Baumaßnahmen des Bundes gilt es, im Sinne der Nachhaltigkeit Lösungen zu finden, die ökologisch verträglich, ökonomisch akzeptabel sind und den Menschen einbeziehen. Dabei sollen insbesondere folgende (Schutz-)Ziele angestrebt werden: der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Luft und Wasser, der Schutz von Natur und Landschaft, der Schutz stofflicher und energetischer Ressourcen, der Schutz des Klimas, die Erhaltung von Kapital, niedrige laufende Betriebs- und Unterhaltungskosten, der Schutz der menschlichen Gesundheit sowie der Schutz sozialer und kultureller Werte. Ziel des Leitfadens ist es daher, dem Planer "vor Ort" ein Instrument zur Verfügung zu stellen, mit dem ganzheitliche Ansätze zum nachhaltigen Planen und Bauen, Betreiben und Unterhalten sowie zur Nutzung von Liegenschaften und Gebäuden des Bundes sicher umgesetzt werden können. Der Bund erwartet mit Anwendung des Leitfadens nicht nur für den Menschen insgesamt ausgewogenere Lösungen hoher Qualität, sondern meßbare betriebs- und volkswirtschaftliche Vorteile bei besonderem Schutz der Umwelt.

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