"Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen"
Zuarbeit zum Manuskript DIN 18041
Elektroakustik
1 Direktschallverstärkung durch Beschallungsanlage
In großen Räumen, insbesondere langgestreckten und/oder flachen Räumen
wird vielfach am Zuhörerort kein ausreichend hoher Schallpegel für eine günstige
Sprachverständlichkeit erreicht. Dann müssen elektroakustische
Beschallungssysteme zur Schallverstärkung herangezogen werden. Hierbei wird das
akustische Signal durch Mikrophone aufgenommen, die sich im zu beschallenden
Raum befinden, wird verstärkt und über die Lautsprecher im Raum wiedergegeben.
Bei der Planung deratiger Anlagen wird angestrebt, auch den Richtungsbezug zum
Sprecherstandort zu erhalten.
Bei der Auswahl der Lautsprecher ist unter anderem auf ausreichende Bündelung
zu achten, damit ein hoher Direktschall- und ein geringer Diffusschall-Anteil
erreicht wird. Auf diese Weise wird eine hohe Sprachverständlichkeit
sichergestellt. Für eine Sprachbeschallungsanlage kann ein eingeschränkter
Frequenzbereich mit geringen tieffrequenten Schallanteilen verwendet werden,
weil diese nicht zur Sprachdeutlichkeit beitragen.
2 Durchsage- und Alarmierungs-Anlagen
Bei Durchsage- und Alarmierungs-Anlagen befinden sich das Sprechermikrophon
und die Lautsprecher in unterschiedlichen Räumen. Damit besteht keine Gefahr
der elektro-akustischen Rückkoppelung.
Da sich bei Durchsage-Anlagen der Sprecher nicht im Raum der
Schallabstrahlung befindet, benötigt man auch keine "Einheit von Seh- und
Hörrichtung". Deshalb arbeitet man üblicherweise mit verteilten
Lautsprechersystemen mit jeweils geringer Schall-Leistung. Auch hier ist in der
Zuhörerebene auf einen hohen Direktschallanteil und einen geringen
Diffusschallanteil zu achten.
Bei Durchsage-Anlagen, die auch der Alarmierung dienen, müssen die
Gefahrensignale deutlich hörbar sein. Dies ist gemäß DIN EN 457 in der Regel
der Fall, wenn ihre A-bewerteten Schallpegel den Störschallpegel um 15 dB oder
mehr überschreiten, oder der A-bewertete Signal-Schallpegel gleich oder größer
als 65 dB ist. Zur Sprachverständlichkeit siehe auch Ziffer 1. Weitere Hinweise
zu Frequenz- und/oder Zeitverlauf von Alarmsignalen siehe DIN EN 457.
Durchsageanlagen,
die auch zur Alarmierung dienen, sind mit optischen Signalgebern zu kombinieren,
insbesondere in Räumen, in denen sich zeitweilig nur einzelne Personen
aufhalten (können). Auf diese Weise wird das Zwei-Sinne-Prinzip für Menschen
mit sensorischen Beeinträchtigungen erfüllt.
3 Beschallungssysteme für Schwerhörige
3.1 Allgemeines
Schwerhörige, die mit Hörgeräten ausgestattet sind, benötigen im
Vergleich zu Guthörenden einen deutlich stärkeren Direktschallanteil bei
entsprechend verringertem Diffusschallanteil. Deshalb sind Beschallungssysteme
mit Lautsprechern für sie im Allgemeinen nicht hilfreich, sondern es ist ein
direktes Zuspiel zum jeweiligen Schwerhörigen notwendig. Eine direkte
Kommunikation untereinander ist dann jedoch nicht möglich. Zur Zeit sind drei
verschiedene Systeme üblich, die - je nach Einsatzbereich - ihre Vor- und
Nachteile haben.
3.2 Funkübertragung (FM)
Das zu übertragende Signal wird vor dem Endverstärker der
Saalbeschallungsanlage abgegriffen und einem Funksender zugeführt. Diese
arbeiten im 8-m- sowie im VHF- und UHF-Bereich. Je nach Frequenzbereich steht
hier eine unterschiedliche Anzahl von Kanälen zur Verfügung.
Die Zuhörer erhalten einen Empfänger mit Kopfhörer. Im Allgemeinen ist
auch eine galvanische Koppelung mit HdO-Hörgeräten (Audioschuh) oder eine
IndukTive Koppelung (Teleschlinge) möglich.
Anmerkung: Häufig werden zur Versorgung Schwerhöriger in kleinen Gruppen
Mikrophone verwendet, die direkt mit einem FM-Sender gekoppelt sind. Diese
Anlagen sind mobil und werden häufig in lauter Umgebung als Personenführungsanlagen
(auch für gut hörende Personen) verwendet. Auf derartige Anlagen wird hier
nicht eingegangen.
3.3 Infrarot-Übertragung (IR)
Das zu übertragende Signal wird vor dem Endverstärker der
Saalbeschallungsanlage abgegriffen und (je nach zu "beschallender" Fläche)
einem oder mehreren IR-Flächenstrahlern zugeführt. Diese sind so anzubringen,
dass die zu versorgende Fläche vom IR-Lichtkegel getroffen wird.
Die Zuhörer erhalten auf den entsprechenden Frequenzbereich abgestimmte
IR-Empfänger mit eingebautem (Stethoclip) oder angeschlossenem Kopfhörer. Bei
einigen Fabrikaten besteht die Möglichkeit der galvanischen oder indukTiven
Koppelung zu HdO-Hörgeräten.
3.4 IndukTive Übertragung
Das zu übertragende Signal wird vor dem Endverstärker der
Saalbeschallunganlage abgegriffen und einem IndukTionsschleifenverstärker in
Konstantstrom-Ausführung zu-geführt. An diesen ist ein "IndukTionsschleife,
Ringschleife" oder ähnlich genanntes Kabel angeschlossen, das den zu
versorgenden Zuhörerbereich einmal (Singel-Turn-Loop) oder allenfalls zweimal
umschließt. Bei geeigneter Verlegung und Einstellung wird nach DIN EN ISO
60118-4 eine mittlere elektromagnetische Feldstärke von 100 mA/m erzeugt.
Weitere Hinweise zu Auswahl und Einbau sind im Merkblatt des Deutschen Schwerhörigenbundes
(z.Zt. in Vorbereitung) zu ersehen.
Schwerhörige, deren Hörgeräte eine sogenannte "Telefonspule"
enthalten, schalten das Hörgerät auf Stellung "T" und können damit
ohne weiteres Zusatzgerät das abgestrahlte Signal direkt hören. Für diesen
Personenkreis müssen deshalb keine speziellen Empfänger ausgegeben werden.
IndukTive Höranlagen eigenen sich deshalb besonders für öffentliche Räume.
Schwerhörige, die noch keine Hörgeräte tragen, oder deren Hörgeräte
nicht mit Telefonspulen ausgestattet sind, sind mit IndukTionsempfängern
auszustatten, an die Kopfhörer oder galvanische Koppler angeschlossen werden können.
Anmerkung 1: Da die elektromagnetische IndukTion stromabhängig ist, sind zum
Betrieb von indukTiven Höranlagen ausschließlich Konstantstromverstärker zu
verwenden. Konstantspannungsverstärker, wie man sie für Lautsprecheranlagen
einsetzt, sind dagegen wegen des sehr ungünstigen Frequenzganges ungeeignet. Für
eine hohe Feldstärke müssen große Ströme fließen; deshalb sind die
Kabelquerschnitte ausreichend groß zu bemessen.
Anmerkung 2: Früher wurden häufig für indukTive Höranlagen
Konstantspannungsverstärker mit sogenanntem "Ringschleifenübertrager",
also einem speziellen Transformator, eingesetzt. Da dessen IndukTivität mit
zunehmender Frequenz ansteigt, können derartige (veraltete) Anlagen die für
die Sprachverständlichkeit wichtigen hochfrequenten Anteile nicht abstrahlen.
Sie sind für eine sachgerechte Schwerhörigenversorgung ungeeignet.
Anmerkung 3: Das zur indukTiven Höranlage gehörende Schleifenkabel kann
entweder im oder auf dem Fußboden, im unteren Bereich der Wand oder unterhalb
der Decke verlegt werden. Eine Montage der Ringleitung auf Ohrhöhe an der Wand
ist wegen ungleichmäßiger Empfangsfeldstärke nicht zu empfehlen.
Dipl.-Ing. Nachrichtentechnik Carsten Ruhe 2001-02-10 |