Barrierefrei, behindertengerecht
oder worauf es vielleicht auch noch ankommt.
Der Haupteingang muss bei einem Neubau
unmittelbar höhengleich von Außen erschlossen sein. Natürlich sollten in
einer Pflegeeinrichtung auch alle Räume immer stufenlos, möglichst aber auch
höhengleich und ohne Rampen, erreichbar sein. Im Hinblick auf die
Arbeitsplätze des Personals, eigentlich auch alle Personalräume. Wo sonst ist
auch für die Mitarbeiter schon ein solch barrierefreies Umfeld vorhanden.
Ausgenommen sind nur reine Technikräume.
Die innere Erschließung der Geschosse, d.h. aus Sicht der Bewohner
und Besucher hier immer der Aufzug, muss unmittelbar aus der Eingangshalle
erschlossen werden, getrennt von der Ver- und Entsorgung. Diese kann, bei
kleinen Einrichtungen, auch über den selben Aufzug erfolgen; nicht aber über
den gleichen Zugangsbereich.
Der Aufzug sollte auf den Wohngruppen dort ankommen, "wo was los
ist"; d.h. am Aufenthalts- Essbereich, am Personalstützpunkt und am
Kreuzungspunkt der Flure.
Flure sollten, sofern es das Konzept ermöglicht, als Rundlauf
ausgebildet sein. Zum einen kommt es dem Bewegungsdrang der Bewohner zugute, zum
anderen verhindert es, das z.B. orientierungslose Bewohner irgendwo am Ende
irgendeines Flures stehen. Eine Kopfbelichtung, außer von Norden, sollte wegen
der Blendgefahr vermieden werden.
Zur Orientierung innerhalb des Hauses kann und sollte eine bewusste
Farbgebung beitragen; jedoch auch in starkem Maße, z.B. vor Aufzügen,
Orientierungsobjekte wie Volieren, Aquarien, Brunnen, gestaltete Sitzgruppen,
Skulpturen oder Bilder.
Das man in allen Räumen mehr Bewegungsflächen für Rollstühle,
Gehhilfen oder auch nur für gemeinsame Spaziergänge benötigt versteht sich
von selber. Ja, selbst wenn man nur langsamer geworden ist, bedeutet mehr Platz
auch die Möglichkeit, andere/ schnellere ungehindert vorbei zu lassen.
Weil das Helligkeitsempfinden mit zunehmenden Alter erheblich abnimmt, da es
schleichend geht merkt man es selber nicht, benötigt der ältere Mensch
deutlich mehr Licht. Ein 60 jähriger benötigt doppelt soviel Licht wie
ein 20 jähriger, um das gleiche Helligkeitsempfinden zu haben. Die 80 jährigen
und älteren Bewohner einer Heimeinrichtung benötigen noch deutlich mehr Licht.
Untersuchungen haben ergeben, das bei Vorhandensein von mehr Licht auch die Zahl
der Unfälle sinkt. Im Wohnbereich, und dazu gehören auch die Flure, sollten
generell nur Warmtonlichtfarben verwendet werden.
Der ältere Mensch ist auch im Bewegungsbereich des Kopfes zunehmend
eingeschränkt. So kann es sein, das die vom Brandschutz geforderten Piktogramme
der Rettungswege so hoch hängen, das selbst ein "gesunder"
älterer Bewohner sie überhaupt nicht mehr sehen kann, weil er den Kopf nicht
mehr so hoch heben kann.
Auch wenn es den aktuellen Vorstellungen mancher Brandschützer
entgegenläuft, denke ich, das die Würde des einzelnen Menschen es gebietet,
einen Raucher auch in einer Heimeinrichtung weiter rauchen zu lassen und diese
nicht zur rauchfreien Zone zu erklären. Der Bewohner muss in seinem Zimmer und
in einem Gemeinschaftsraum rauchen dürfen. Auch sind Forderungen, das jede
Bewohnerzimmertür mit einem Türschließer ausgestattet werden muss, aus meiner
Sicht nicht akzeptabel. Zum einen hindern sie den Bewohner am langsamen
durchgehen bzw. durchfahren seiner Tür, zum anderen verhindern sie, das (auf
Wunsch des Bewohners) auch mal eine Tür zum Flur offen bleibt, weil man nicht
so alleine sein will. Im Rettungsfall verhindert ein solcher Türschließer u.U.
sogar, das ein Bewohner aus eigener Kraft sein (brennendes?) Zimmer verlassen
kann.
Im Außenbereich lohnt sich das Nachdenken über den Bewegungsraum
Labyrinth; nicht zu verwechseln mit einem Irrgarten. Ein Labyrinth besteht aus
einem Weg, der zum Mittelpunkt führt.
Eigentlich ist barrierefrei oder behindertengerecht eine eher banale Idee.
Denn, dass wie auch immer behinderte Menschen, in der allgemein üblichen
Weise, ohne besondere Erschwernisse und ohne fremde Hilfe durchs leben kommen
können, sollte selbstverständlich sein.
Leider ist es das nicht.
Lothar Link 02. März 2005/ 05.07.2009 |