Anforderungen an einen barrierefreien Lebensraum für Menschen mit Hörbehinderungen
Nicht sehen können trennt von den Dingen,
nicht hören können trennt von den Menschen.
(Immanuel Kant)
Vortrag auf der Weiterbildungsveranstaltung "ZIELPUNKT barrierefrei planen und bauen" auf der bautec2008 in Berlin am 20.Februar 2008 von Dr. Hannes Seidler
 Dr.Hannes Seidler auf der bautec2008 in Berlin am 20.02.2008 Beim Thema "Barrierefreies Planen und Bauen" steht für viele Ingenieure, Architekten und
Bauherren zunächst das Bauen für mobilitätsbehinderte Menschen im Vordergrund. Das
ist naheliegend, da dieser Personenkreis meist sofort erkennbar ist, sich oft selber zu Wort
meldet und die meisten offensichtlichen Baumaßnahmen erfordert. An Personen mit Hörschädigungen und
Sehschädigungen wird dann erst in zweiter Linie gedacht. Meist sind deren
Anforderungen an Gebäude ähnlich gelagert. Aber gerade die Feinheiten und Besonderheiten
sind es, die ihnen den Alltag erleichtern und ein selbstbestimmtes Leben und
Erleben erst ermöglich. Oder ist es bewusst, dass die Beleuchtung eines Vortragssaales
wesentlich für Schwerhörige ist, oder dass die Orientierung im Nahbereich für
sehschwache Menschen eine große Rolle spielt?
Die folgende Kurzfassung zeigt Probleme und baulichen Hilfen für schwerhörige oder
ertaubte Personen. Eine Vollständigkeit kann nicht erwartet werden, ebenso nicht auf
mehrfach behinderte Menschen. Allen kann man es nicht recht machen, aber mit oft
kleinen Maßnahmen ein Leben trotz Einschränkungen erleichtern, sicherer und froher
machen.
Merkmale der Schwerhörigkeit
Das barrierefreie Bauen hat nicht nur Bedeutung für Behinderte, sondern auch für ältere
Menschen, Familien mit Kindern, Mütter mit Kinderwagen, Unfallkranke usw. Man kann
davon ausgehen, dass ca. 30% der Bevölkerung zeitweise oder ständig Bedarf an
barrierefreien Gebäuden, Freianlagen, Verkehrssystemen und Informationsmedien haben.
Jeder 13. Bundesbürger hat eine anerkannte Schwerbehinderung. Darüber hinaus helfen
alle Maßnahmen aber auch gesunden Menschen, sich sicherer und leichter zu bewegen
oder zu orientieren - oft allerdings unbewusst.
In Deutschland gibt es ca. 14 Millionen hörgeschädigte Personen. Davon besitzen rund
3 Millionen ein Hörgerät oder Innenohrimplantat. Auf Grund der Alterungserscheinungen
und der summierenden Wirkung der Lärmschäden, ergibt sich folgende Altersverteilung
der Fehlhörigen:
- 14-19 Jahre 1%
- 20-29 Jahre 2%
- 30-39 Jahre 5%
- 40-49 Jahre 6%
- 50-59 Jahre 25% -> jeder vierte
- 60-69 Jahre 37% -> jeder dritte
- > 70 Jahre 54% -> jeder zweite
Die dramatische Zunahme der Hörschädigungen ab dem 50. Lebensjahr ist auffällig. Eine
andere Tendenz ist in den Zahlen nicht erkennbar: die Anzahl schwerhöriger junger Leute
steigt jährlich besorgniserregend. Zwar sind die Belastungen im Arbeitsprozess heute
merklich reduziert, dafür wird die Lärmbelastung während der Freizeit, auf dem Arbeitsweg
und in der Umwelt höher. Schuld sind nicht nur die Lebensgewohnheiten Jugendlicher,
auch die Belastungen durch den Verkehr, die Dauerbeschallung in Geschäften und
Gaststätten und vor allem die fehlende Erholungsmöglichkeit bringen ihren Beitrag bei der
Schädigung unseres akustischen Sinnesorganes.
Neben einer Schädigung des Mittelohres, des Gleichgewichtssystems oder des zentralen
Nervensystems tritt hauptsächlich Innenohrschwerhörigkeit auf. Sie ist gekennzeichnet
durch:
- Intensitätsverlust (geringere Lautstärke),
- Frequenzverlust (Veränderung des Klanges, Verringerung der Auflösung),
- Zeitauflösungsverlust (Störung der Erkennbarkeit strukturierter und informativer
Signale besonders Sprache),
- Dynamikverlust (leise Schalle - unhörbar, laute Schalle - bleiben laut).
Zusätzlich sind oft eine erhöhte Empfindlichkeit für Lautstärkeänderungen (Recruitment)
und Ohrgeräusche (Tinnitus) zu beobachten.
Besonders schwerwiegend sind angeborene oder frühzeitig erworbene Hörschäden. Sie
erschweren das Erlernen der Muttersprache soweit, dass oft kein sauberes Sprechen
ausgeprägt werden kann. In Folge dessen leidet manchmal sogar die Fähigkeit und
Bereitschaft zum Lesen!
Wesentliche Probleme von fehlhörigen Menschen sind:
- Kommunikation mit anderen Personen,
- Kommunikation in lauter Umgebung,
- Wahrnehmung emotionaler und sozialer Botschaften,
- Missverständnisse mit der Umwelt,
- Wahrnehmen von Warnsignalen,
- Fehlende Kontrollgeräusche,
- Ausfall naturnaher Geräusche,
- z. T. erhöhte Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen,
- Probleme beim Spracherwerb,
- fehlende räumliche Orientierung.
Mit welchen Möglichkeiten lassen sich diese Probleme mildern oder beheben?
...
weitere Punkte des Vortrages in der pdf-Datei
- Das 2-Sinne-Prinzip und die Prioritätsstufen
- Anforderungen für Schwerhörige
- Bauliches Lösungsbeispiel: Seniorenzentrum
- Bauliches Lösungsbeispiel: Arztpraxis
- Gesetze und Normen
- Literatur
Die vollständige Dokumentation steht hier zum Downloaden bereit.
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