Die Sprache der Bodenindikatoren
Bodenindikatoren ohne einheitliches System
 Sinusrillen
Seit etwa 20 Jahren werden Bodenindikatoren in Deutschland verlegt, zunächst hauptsächlich an Bahnhöfen und Haltestellen, fast ausschließlich Rillenplatten, und zwar die engen "Sinusrillen", die mit breiteren Stockspitzen kaum und in fugenreichem Umfeld gar nicht zu ertasten sind. Als Standard wurden diese Bodenindikatoren in der DIN 32984 gesetzt. Demgemäß darf die Rillenbreite, und zwar die Systembreite von Wellenberg zu Wellenberg, nicht mehr als 20 mm betragen.
Einige Kommunen begannen in den 90er Jahren, auch Noppenplatten zu verlegen, vorzugsweise an Fußgängerfurten mit Lichtsignalanlage. Die Zuordnung dieser beiden Typen von Bodenindikatoren zu spezifischen Informationen wurde aber noch kaum diskutiert. Im Heft 'direkt 54' von 2000 wird z.B. ihr Einsatz zwar gezeigt, aber ihr jeweiliges Informationsziel nicht unterschieden. In der nach über 10-jähriger Diskussion ebenfalls im Jahr 2000 veröffentlichten DIN 32984 wurden Noppenplatten gar nicht erwähnt. Als Folge ließ die Qualität der verwendeten Bodenindikatoren sehr zu wünschen übrig, nicht nur die der zu eng normierten Rillenplatten, sondern auch die der von der Norm gar nicht erfassten Noppenplatten.
Die Initiativen einzelner Kommunen beruhten zunächst kaum auf konsistenten Konzepten und führten notwendigerweise zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Nach der Jahrtausendwende begannen einzelne Städte, die Verlegekonzepte zu systematisieren, die Düsseldorfer "Gestaltungsstandards" erschienen 2003, Regelzeichnungen für Stuttgart ab 2004. In Hessen entwickelten Städte wie Fulda, Marburg, Offenbach oder die Kasseler Verkehrsgesellschaft eigene Konzepte.
Ein erster Versuch, die sich entwickelnden Ansätze der Anordnung von Bodenindikatoren bundesweit zu vereinheitlichen, war im Entwurf der DIN 18030 enthalten, der im Januar 2006 veröffentlicht wurde. Symptomatisch für die noch unausgereifte Konzeption war, dass bereits im Entwurf Bild und Text nicht übereinstimmten. Der Entwurf war – allerdings aus anderen Gründen – so umstritten, dass er bald wieder zurückgezogen wurde.
Die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung hat als erste in der Bundesrepublik versucht, den Einsatz und die Zuordnung von Bodenindikatoren neu zu systematisieren und gleichzeitig überörtlich zu vereinheitlichen. Diese Konzeption erschien Ende 2006 mit dem Leitfaden "Unbehinderte Mobilität". Dabei wurde konsequent von Anfang an der Rahmen der DIN 32984 verlassen und auf Platten mit breiteren Rillen und auf Noppenplatten gesetzt. Ausgangspunkt bei der Erarbeitung dieses Konzeptes war eigentlich, Bordsteine für Menschen mit Rollstühlen oder Rollatoren oder auch alle anderen Nutzer konsequent auf "Null" abzusenken. Um dieses zu ermöglichen, mussten für blinde und sehbehinderte Menschen andere Orientierungen geboten werden. Dies erzwang, die Anwendung von Bodenindikatoren neu zu durchdenken und eine Syntax zu entwickeln, die ihren eindeutig interpretierbaren Einsatz nicht nur an Haltestellen und Bahnhöfen oder bei geschlossenen Leitsystemen, sondern im gesamten öffentlichen Verkehrsraum ermöglicht.
Seitdem ist auch die bundesweite Diskussion in Fluss geraten. Seit Sommer 2007 hat eine Arbeitsgruppe des Normenausschusses Medizin NA 063-06-04 die Neuformulierung der DIN 32984 in Angriff genommen. Die FGSV hat im Februar 2006 den Arbeitskreis 2.8.3 "Barrierefreie Verkehrsanlagen" (der Arbeitsgruppe "Straßenentwurf) eingerichtet, die auch die Verwendung der Bodenindikatoren neu ordnen soll. Der empfiehlt inzwischen ausdrücklich die Anwendung anderer Bodenindikatoren als in der noch gültigen DIN 32984 beschrieben. Berlin hat 2008 in den Ausführungsvorschriften zum Berliner Straßengesetz eigene Rippenplatten definiert. Im Mai 2009 hat schließlich auch das Land Nordrhein-Westfalen einen eigenen Leitfaden herausgegeben, der sich vor allem mit der Verlegung von Bodenindikatoren beschäftigt.
Die Zuordnung der verschiedenen Informationen zu bestimmten Bodenindikatoren erfolgt in den verschiedenen Konzeptionen durchaus unterschiedlich. Grundsätzlich ist dies eine Frage der Vereinbarung. Testbegehungen haben immer wieder gezeigt, dass die Probanden zumeist die Anordnung präferieren, die sie in ihrem Umfeld kennen. Sie ist also erlernbar. Und entsprechend unterschiedlich wird die Anordnung von Bodenindikatoren in der Praxis gehandhabt, international wie auch in Deutschland.
Zunächst variiert schon die Art der überhaupt verwandten Bodenindikatoren. In Deutschland werden Rillen- bzw. Rippenplatten und inzwischen zumeist auch Noppenplatten eingesetzt. Die Stadt Münster verwandte lange eine spezielle Rautenplatte. Frankreich verwendet ausschließlich Noppenplatten, die Schweiz nur Rippen, und zwar in einer speziellen Anordnung. In Großbritannien wird ein hochdifferenziertes System von Bodenindikatoren verwandt mit 6 verschiedenen Typen, Noppen in orthogonaler und diagonaler Anordnung, runden und länglichen Noppen, dazu verschiedene Rippen.
Demgemäß werden für dieselbe Information je nach Ort ganz unterschiedliche Indikatoren eingesetzt. So werden vor Bordabsenkungen in vielen Ländern Noppenplatten verlegt, z.B. in Frankreich, Japan oder Großbritannien. In Österreich werden Rippen verwandt, die parallel zur Fahrbahn laufen ("Grazer T"), in Deutschland ebenfalls meist Rippen, aber senkrecht zur Fahrbahn, in Querungsrichtung.
Informationsgehalt von Bodenindikatoren
 Leitstreifen
Wenn also der Informationsgehalt der verschiedenen Typen von Bodenindikatoren letztlich auf Vereinbarung beruht, so muss die Zuordnung und Differenzierung der verschiedenen Typen und damit Informationen doch abgestimmt und in sich schlüssig sein.
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Mehr zu den Themen Borde, Rippen, Noppen im vollständigen Dokument.
Zuordnung von Bodenindikatoren im Verkehrsraum
Mehr Informationen zu Bodenindikatoren wie Leitstreifen, Richtungsfeld, Aufmerksamkeitsfeld etc. finden sich ebenfalls im vollständigen Dokument.
Der vollständige Fachbeitrag "Die Sprache der Bodenindikatoren" steht hier zum Downloaden bereit.
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