Schwerbehinderung 2009 und Pflegebedürftigkeit 2009
SGB IX § 2 Abs. 1 Begriff Behinderung
"Menschen sind behindert, wenn die körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist."
Als schwerbehindert gelten Personen, denen ein Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder
mehr zuerkannt ist.
Am 31. Dezember 2009 waren bei den Versorgungsämtern 7,1 Mill. amtlich anerkannte schwerbehinderte Menschen mit gültigem Ausweis registriert, das entsprach einem Anteil von rund 8,7% an der Bevölkerung. Über die Hälfte (52%) waren Männer.
Rund ein Viertel 1,76 Millionen litt unter sehr schweren Beeinträchtigungen (GdB von 100).
Die größte Gruppe, 2,17 Millionen Menschen, wurde in den geringsten Grad von 50 eingestuft.
Mehr als die Hälfte (54,4 %)der schwerbehinderten Menschen waren 65 Jahre und älter. Ein Fünftel (20,4 %) gehörte der Altersgruppe von 55 bis unter 65 Jahren an. Dagegen fiel der Anteil der unter 25-Jährigen mit 3,99% gering aus.
Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2009 nach Altersgruppen

| unter 4 | 14.275 | 0,21% |
| 4-15 | 109.044 | 1,54% |
| 15-25 | 160.405 | 2,26% |
| 25-35 | 210.086 | 2,96% |
| 35 - 45 | 417.603 | 5,88% |
| 45 - 55 | 874.509 | 12,31% |
| 55 - 65 | 1.452.236 | 20,45% |
| 65 und mehr | 3.751.268 | 54,40% |
Die Anzahl der Menschen mit Schwerbehinderung steigt erwartungsgemäß mit zunehmende Alter.
Während bei den 25- bis unter 35-Jährigen fast jeder Achtunvierzigste schwerbehindert
war, hatte in der Gruppe der ab 75-Jährigen jeder Vierte einen Schwerbehindertenausweis.
Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2009 nach Bundesländern
In Hamburg leben die wenigsten Menschen mit einer Schwerbehinderung, 72 je 1000 Einwohner, die meisten in Berlin, 100 je 1000 Einwohner.
Ursachen für Behinderung
- krankheitsbedingt: 82,3%
- Schäden im Krieg, im Wehr- oder Zivildienst: 1,1%
- Unfall oder eine Berufskrankheit: 2,2%
- sonstige, mehrere oder ungenügend bezeichnete Ursachen: 9,9%
Schwerbehinderte Menschen am 31.12.2009 nach Art der schwersten Behinderung
Art der Funktionsbeeinträchtigungen
"Am häufigsten litten schwerbehinderte Menschen unter körperlichen Behinderungen (64%):
Bei 25% der Personen waren die inneren Organe bzw. Organsysteme betroffen. Bei 14% waren Arme und Beine in ihrer Funktion eingeschränkt, bei weiteren 12% Wirbelsäule und Rumpf.
In 5% der Fälle lag Blindheit oder Sehbehinderung vor.
4% litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen.
Der Verlust einer oder beider Brüste wurde bei 3% festgestellt.
Auf geistige oder seelische Behinderungen entfielen zusammen 10% der Fälle, auf zerebrale Störungen
9%.
Bei den übrigen Personen (17%) war die Art der schwersten Behinderung nicht ausgewiesen."

| Beeinträchtigung der Funktion innerer Organe bzw. Organsysteme | 1.744.865 | 24,6% |
| Querschnittlähmung, zerebrale Störungen, geistig-seelische Behinderungen, Suchtkrankheiten | 1.357.633 | 19,1% |
| Funktionseinschränkung von Gliedmaßen | 996.689 | 14,0% |
| Funktionseinschränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes, Deformierung des Brustkorbes | 885.733 | 12,5% |
| Blindheit und Sehbehinderung | 352.943 | 5,0% |
| Sprach- und Sprechstörungen, Taubheit, Schwerhörigkeit, Gleichgewichtsstörungen | 294.874 | 4,2% |
| Verlust einer Brust oder beider Brüste, Entstellungen, Kleinwuchs u.a. | 178.841 | 2,5% |
| Verlust oder Teilverlust von Gliedmaßen | 68.769 | 1,0% |
| Sonstige und ungenügend bezeichnete Behinderungen | 1.221.308 | 17,2% |
Lebenslagen der behinderten Menschen
Ergebnis des Mikrozensus 2009
Im Jahr 2009 lebten in Deutschland 9,6 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Im Durchschnitt war somit jeder neunte Einwohner (11,7%) behindert. Mehr als die Hälfte davon (53%) waren Männer. Der größte Teil, nämlich rund 7,1 Millionen Menschen, war schwerbehindert; 2,5 Millionen Menschen lebten mit einer leichteren Behinderung.
Pflegebedürftigkeit 2009
"Im Dezember 2009 waren 2,34 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im
Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI); die Mehrheit (67 %) waren Frauen.
83 % der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter; 85 Jahre und älter waren 35 %."
Sozialgesetzbuch – SGB XI § 14
"Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§15) der Hilfe bedürfen.
Krankheiten oder Behinderungen im Sinne des Absatzes 1 sind:
Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,
Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane, Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.
Die Hilfe im Sinne des Absatzes 1 besteht in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übername der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtung.
Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen im Sinne des Absatzes 1 sind:
- im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung,
- im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung,
- im Bereich der Mobilität das selbständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung,
- im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen."
Pflegebedürftige nach Versorgungsart 2009
 "Mehr als zwei Drittel (69 % bzw. 1,62 Millionen) der Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Davon erhielten 1 066 000 Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, das
bedeutet, sie wurden in der Regel zu Hause allein durch Angehörige gepflegt. Weitere
555 000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten. Bei ihnen erfolgte die
Pflege jedoch zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. 31 %
(717 000) wurden in Pflegeheimen vollstationär betreut.
Im Vergleich 2009 mit 2007 zeigt sich kein Trend weg von der Pflege zu Hause und hin zu den vollstationären Pflegeheimen: Die Anzahl der in Heimen vollstationär Versorgten ist um +4,6 % (31 000) gestiegen; Die Pflege zu Hause verzeichnet eine Zunahme um +5,4 % (83 000). Überdurchschnittlich hoch ist dabei die Zunahme bei den durch ambulante Dienste Betreuten um +10,1 % (51 000). Die Zahl der „reinen" Pflegegeldempfänger/-innen nahm um +3,1 % (32 000) zu."
Monatliche Vergütung für Pflege sowie Unterkunft und Verpflegung in der
Pflegeklasse III beträgt rund 2 866 Euro
"Der Pflegesatz für vollstationäre Dauerpflege in der Pflegeklasse III betrug im Durchschnitt rund 74 Euro pro Tag; der für Unterkunft und Verpflegung 20 Euro pro Tag. Monatlich sind somit für Pflege und Unterbringung in der höchsten Pflegestufe an das
Heim ca. 2 866 Euro als Vergütung zu entrichten. (Die Berechnung des Monatsbetrags
erfolgt hier mit 30,4 Tagessätzen). Hinzukommen können weitere Ausgaben für Zusatzleistungen
und gesondert berechenbare Investitionsaufwendungen"
Pflegebedürftige zum Jahresende 2009 im Ländervergleich
In Sachsen gab es relativ viele hochaltrige Pflegebedürftige: der Anteil der ab 85-jährigen Pflegebedürftigen an allen Pflegebedürftigen beträgt dort rund 38 %. Hingegen weisen Mecklenburg-Vorpommern (Anteil: 27 %), Brandenburg (31 %)und Thüringen (32 %) relativ „junge“ Altersstrukturen auf.
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