Fahreigenschaften
Grundsätzlich unterscheidet man bei den Fahr- und Lenkeigenschaften von Elektrorollstühlen zwei unterschiedliche Typen:
die indirekt gelenkten und die direkt oder zwangsgelenkten und Rollstühle.
Elektrorollstuhl ausschließlich für den Innenbereich
Indirekt gelenkter Elektrorollstuhl
Benutzer kann sich im Innenbereich mit einem manuellen Rollstuhl nicht
selbständig fortbewegen, z.B. weil die Kräfte im Schulter-/Armbereich nicht
ausreichen.
- hohe Wendigkeit in engen Räumlichkeiten
- wenn ausschließlich innen gefahren wird (Schule, Einrichtung, zu Hause)
- wenn die Räumlichkeiten sehr eng sind, und ein sehr kompakter
Elektrorollstuhl benötigt wird
- Elektrorollstuhl für den Arbeitsplatz
- als Transport- und Schieberollstuhl im Innenbereich für Begleitperson mit
wenig Kraft
Elektrorollstuhl für den Innen- und Außenbereich
Nutzer mit sehr starken Funktionsstörungen, die im Innenbereich auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind, der wendig ist und über zahlreiche Optionen zur individuellen Anpassung verfügt.
Wenn das Haupteinsatzgebiet des Rollstuhls im Innenbereich liegt, der Rollstuhl gelegentlich jedoch auch im Außenbereich eingesetzt wird:
Indirekt gelenkter Elektrorollstuhl
mit hoher Wendigkeit auch in engen Räumlichkeiten,
an unterschiedliche Situationen im Alltag anpassbar und kein Transfer auf andere Sitzgelegenheiten erforderlich
oder
wenn der Schwerpunkt der Anwendungen im Außenbereich liegt oder wenn im Außenbereich größere Steigungen zu überwinden sind:
direkt gelenkter Elektrorollstuhl
mit höherem Raumbedarf im Innenbereich, jedoch optimalen Fahreigenschaften für den Außenbereich
Indirekt gelenkte Rollstühle
erkennt man an der Ausstattung mit den großen (Antriebs-) Rädern und den
kleinen frei schwenkenden Lenkrädern. Die Antriebsräder können dabei sowohl
vorn wie auch hinten angeordnet sein, in der Regel befinden sie sich hinten.
Bei diesem Konstruktionsprinzip sorgen zwei Motoren für den Antrieb des
Rollstuhles über die Antriebsräder. Zum Lenken des Rollstuhls werden die
Antriebsräder separat angetrieben. So kann mit unterschiedlicher Drehrichtung
der beiden Antriebe eine Drehung (fast) auf der Stelle erfolgen. Die Lenkräder
können dabei um 360° durchschwenken. Durch diese Antriebstechnik bewegt sich
dieser Rollstuhltyp vom Prinzip her wie ein manueller Greifreifenrollstuhl und
ist sehr wendig in Innenräumen.
Nachteile ergeben sich für indirekt gelenkte Rollstühle im Außenbereich: Bei
Fahrbahnen mit Querneigung, wie man sie bei jedem Bürgersteig und jeder Straße
vorfindet, wird der indirekt gelenkte Rollstuhl hangabwärts abdriften und ist
deshalb nicht immer kursstabil. Rollstühle mit Hinterradantrieb sind für den
Außenbereich nur bedingt geeignet, da sie sich in hügeligem Gelände oder bei
Hindernisüberwindung nicht immer sicher verhalten. Hangabwärts können die
Rollstühle durch die ungebremsten und gelenkten Vorderräder ins Gleiten kommen
und der Rollstuhlfahrer so die Beherrschung über den Rollstuhl verlieren.
Starke Neigung nach hinten (Überschlagsgefahr) wird durch die meist
serienmäßig vorhandenen Antikipp-Rollen unterbunden. Diese müssen jedoch
montiert und gegebenenfalls passend eingestellt sein. Frontgetriebene
Rollstühle mit indirekter Lenkung sind zwar bei Bergabfahrt sicherer,
Stabilitätsprobleme treten jedoch bei schneller Kurvenfahrt auf. Aus diesem
Grund ist die maximale Geschwindigkeit dieser Fahrzeuge begrenzt. Bei der
Hindernisüberwindung haben beide Konzepte (Antriebsräder vorn, Antriebsräder
hinten) Nachteile gegen- über den direkt gelenkten Fahrzeugen, da sich die frei
beweglichen Lenkräder quer vor eine Hinderniskante stellen können und so die
Überwindung verhindern. Für die Rollstühle mit Heckantrieb gibt es sogenannte
Kantensteighilfen, die diesen Nachteil kompensieren. Das Fahren mit einer
Kantensteighilfe erfordert jedoch Übung, um mögliche Gefährdungen
ausschließen zu können. Ob und wann diese beiden Fahrtypen jeweils eingesetzt
werden können, hängt von vielen weiteren Faktoren ab, die nachfolgend näher
erläutert werden.
Direkt gelenkte Rollstühle
haben als äußeres Erkennungsmerkmal die großen (Antriebs-) Räder vorne
und die kleinen (Lenk-) Räder hinten. Die Lenkung erfolgt mit einer Lenkstange
über einen Lenkmotor, der die Ausrichtung der Lenkräder steuert. Diese
Zwangslenkung bedeutet, dass der Lenkwinkel begrenzt ist. Dieser Rollstuhl wird
also vorn angetrieben und gebremst und hinten gelenkt. Er ist in erster Linie
für den Einsatz im Außenbereich gedacht, da er aufgrund seiner technischen
Konstruktion sehr spurstabil fährt, auch größere Hinderniskanten überwinden
kann, und in hügeligem Gelände sicher bergauf und sicher ohne Traktionsverlust
wieder bergab fährt. Durch die mit Hilfe des erwähnten Lenkmotors oder eines
Handhebels geführten Lenkräder bleibt der Rollstuhl bei Querneigungen der
Fahrbahn kursstabil. Zum Wenden benötigt dieser Rollstuhltyp etwas mehr Raum,
was in der Regel im Außenbereich nicht problematisch ist. Dieser Rollstuhltyp
fährt sicher, hat ein gutmütiges Fahr- und ein präzises Lenkverhalten und ist
zusammen mit den meist größeren Batterien besonders gut geeignet, um zum
Beispiel längere Strecken im Rollstuhl zurückzulegen.
Elektromobile - Scooter
Elektromobile (im heutigen Sprachgebrauch auch Scooter genannt) sind
Elektrofahrzeuge mit einem offenen Fahrersitz. Gelenkt wird über eine
Lenksäule wie beim Motorrad. Der Antrieb erfolgt durch einen Elektro-
Getriebemotor an der Hinterachse. Sie werden sowohl mit drei als auch mit vier
Rädern angeboten. Während Dreiräder in der Vergangenheit wendiger waren und
mehr Beinfreiheit boten, sind moderne Vierrad-Fahrzeuge hierin durchaus
ebenbürtig. Sie weisen zudem den Vorteil der besseren Kippstabilität, d.h.
einer erhöhten Sicherheit, auf. Zum Transport sind höherwertige Fahrzeuge
zerlegbar mit einem teilbaren Rahmen ausgestattet. Sowohl die Neigung der
Lenksäule als auch die Sitzposition sollten an den Benutzer anpassbar sein.
Eine gute Oberkörperstabilität und die uneingeschränkte Gebrauchsfähigkeit
mindestens eines Armes sind Voraussetzungen für den sicheren Betrieb der
Fahrzeuge. Aufgrund ihres Konstruktionsprinzips ist es mit einem Elektromobil
nicht möglich, frontal an einen Tisch zu fahren oder ihn zu unterfahren. Das
Passieren von manuell zu öffnenden Türen ist in der Regel ohne Hilfestellung
Dritter nicht möglich.
Rollstuhlmaße
Ausgangsgröße sind die Körpermaße. Die Sitzbreite ergibt sich aus Beckenbreite plus 2 cm, die Sitztiefe aus Oberschenkellänge minus 3 cm. Bei der Sitzhöhe ist neben der Unterschenkellänge die Bodenfreiheit zu berücksichtigen. Die Wahl der Rückenlehnenhöhe ist so niedrig wie möglich und so hoch wie erforderlich zu wählen. Oberkörperlänge, Trainingszustand, Läsionshöhe und Rumpfstabilität sowie Sitzkissendicke sind entscheidende Faktoren.
Elektrorollstuhl - Wendekreis - Platzbedarf
| |
 Wendekreis |
 Elektrorollstuhl Länge |
 Elektrorollstuhl Breite |
 Elektrorollstuhl Höhe |
indirekt für Innenraum |
1700 |
1020 |
620 bis 720 |
bis 1270 |
indirekt auch für Straßen- raum |
1750 |
1130 |
650 bis 670 |
1020 |
| direkt |
2200 bis 2500 |
1200 bis 1320 |
664 bis 765 |
1065 |
| Scooter |
1600 bis 3000 |
1300 bis 1460 |
770 |
bis 1350 |
|